Prostatavergrößerung medikamente günstig

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Pflanzenpräparate gegen Prostatavergrößerung?

Lästig aber häufig: Prostatavergrößerung

Wäre doch nur ein Kräutlein gegen sie gewachsen – die gutartige Prostatavergrößerung. Viele betroffene Männer würden gerne mit pflanzlichen Präparaten gegen die lästigen Symptome ‚untenrum’ vorgehen. Doch ob und wie gut die Mittel aus Wurzeln, Blättern, Samen und Früchten wirken, ist meistens ungeklärt.

Aktuell ist jedoch diese Erkenntnis: Mittel mit Sägepalme wirken nicht besser als Scheinmedikamente und gelten somit als unwirksam.

Oh Mannomann. Früher oder später trifft es die meisten. Bei acht von zehn Männern über 80 ist die Prostata gutartig vergrößert. Zwischen 50 und 60 ist jeder Fünfte betroffen. [8] [10]

Lästig, aber meistens harmlos

Das Wachstum der normalerweise nur walnussgroßen Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, verläuft meistens langsam und ist ungefährlich. Die ‚benigne Prostatahyperplasie’ kann jedoch Symptome hervorrufen, die von manchen Betroffenen als ziemlich belastend und einschränkend empfunden werden. [8]

Dazu gehören nächtlicher Harndrang, ein schwacher Harnstrahl oder das Gefühl, die Blase nicht richtig entleeren zu können. Nur in seltenen Fällen kommt es zu einer kompletten Blockade der Harnröhre: Diese ‚akute Harnverhaltung’ ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden. [9]

Welchen Weg einschlagen?

Viel häufiger jedoch verläuft die Prostatavergrößerung recht gemächlich. Es stehen unterschiedliche Behandlungsmethoden zur Verfügung, dazu zählen Medikamente oder Operationen zur Prostataverkleinerung. Auch ein Beckenbodentraining oder gewisse Verhaltensänderungen können Erleichterung bringen, sodass sich die Betroffenen gut mit der Erkrankung arrangieren können. Manchmal beschließen Arzt und Patient, erst einmal abzuwarten (‚wait-and-see’). [8] [10]

Im Laufe ihrer Erkrankung werden viele Männer auf diverse rezeptfreie pflanzliche Produkte aufmerksam. Sie enthalten Stoffe aus Früchten, Pollen, Samen, Blättern oder Wurzeln. Angeboten werden sie in Apotheken, Drogeriemärkten und Internetshops. In den Mitteln sind eine oder mehrere Pflanzenarten verarbeitet, und sie sollen – so die Hoffnung der Patienten – helfen, das Prostatawachstum auf ‚natürliche’ Weise zu drosseln und die Beschwerden günstig zu beeinflussen. [5]

Frustrierend: meistens fehlen Beweise

Auch wenn in der wissenschaftlichen Literatur einige Pflanzen als vielversprechende Kandidaten gehandelt wurden oder werden: Leider kann bis jetzt fast keines dieser Mittel mit aktuellen, stichhaltigen Belegen für eine gute und langfristige Wirksamkeit aufwarten. [4] [7] Eine gut untermauerte Aussage lässt sich eigentlich nur für Sägepalmen-Präparate treffen: Eine 2012 veröffentlichte Datenauswertung zeigt, dass diese Mittel nicht besser greifen als Placebos und somit unwirksam sind. [1]. Kürbiskern-Präparate haben wir bereits in einem anderen Beitrag untersucht. Auch für sie ist es wenig wahrscheinlich, dass sie Prostata-Beschwerden lindern können.

Es könnte allerdings sinnvoll sein, gewisse Hinweise auf Symptom-verbessernde Pflanzen weiter zu verfolgen und mit neuen Untersuchungen abzugleichen – zumindest in älteren Studien wurden Extrakte des Afrikanischen Pflaumenbaums, Weidelgras-Pollen sowie der Pflanzeninhaltsstoff Beta-Sitosterin als sicher und möglicherweise wirksam eingestuft. [2] [3] [7] [11]

Einer der klassischen Gründe, warum es in punkto Beweislage bis jetzt so dürftig und widersprüchlich aussieht: Für diese pflanzlichen Präparate gelten nicht dieselben strengen Standards wie für Medikamente; dies erschwert systematische Tests. Auch wenn in zwei Mitteln dieselbe Pflanze steckt, kann es große Unterschiede hinsichtlich Konzentration, Herstellungsmethode oder Anbau geben. Dies macht es schwierig bis unmöglich, verschiedene Produkte miteinander zu vergleichen und Effekte verlässlich zu erkennen. [4] [9]

Beliebt, aber ohne Basis

Das ist ziemlich frustrierend, wenn man bedenkt, dass viele Männer sich im Laufe ihres Lebens mit einer Prostatavergrößerung auseinandersetzen müssen. Jeder vierte Betroffene greift zu den pflanzlichen Mitteln – wohl mit der Zuversicht, dass diese eine sinnvolle Unterstützung bieten können. Vertrauenserweckend könnte auch der Umstand sein, dass einige dieser Mittel eine lange Tradition in der Volksmedizin haben. [5] [6] [10]

Ohne bessere Untersuchungen, zum Beispiel mit vielen Teilnehmern, langer Laufzeit und standardisierten Präparaten, fehlen noch viele Antworten. Interessant ist nicht nur die Frage ob bzw. welche Pflanzenpräparate die Beschwerden bei einer Prostatavergrößerung lindern können. Ebenfalls wesentlich: Sind die Präparate in der Lage, langfristig das Fortschreiten der Krankheit günstig zu beeinflussen und das Auftreten von Komplikationen zu reduzieren? Außerdem werden mehr Informationen zu Sicherheit und Nebenwirkungen, gerade bei einer Langzeiteinnahme, benötigt.

Die Studien im Detail

Über die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) bei gutartiger Prostatavergrößerung gibt es zwar viele, aber nur wenige gut gemachte Studien. Eine positive Ausnahme ist eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration mit 5666 Teilnehmern [1]. [1] In der 2012 aktualisierten Arbeit wurde die Wirksamkeit von Sägepalmen-Mitteln analysiert. Die weit verbreiteten und lange Zeit auch als vielversprechend eingeordneten Präparate sind leider nicht wirksamer als Placebo-Medikamente.

In einem gewissen Widerspruch dazu steht eine andere Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration [2]. Sie schließt allerdings nur Untersuchungen bis 1999 und die Daten von 519 Männern ein. Demnach gibt es Hinweise auf eine Symptomverbesserung durch Beta-Sitosterin. Dieser Pflanzeninhaltsstoff kommt auch in der Sägepalme vor.

Noch ein weiterer Cochrane Review [3] scheint erwähnenswert. Allerdings ist auch hier die Literatur nur bis 1997 berücksichtigt. Deswegen ist das Fazit aus den Daten von 1562 Teilnehmern ebenfalls mit einiger Vorsicht zu genießen: Möglicherweise können Extrakte vom afrikanischen Pflaumenbaum für eine gewisse Symptomlinderung sorgen.

Die Wirksamkeit des Pollenextrakts von Weidelgras (Cernilton) untersuchte eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 1998 [11]. In den darin zusammengefassten Studienergebnissen fanden die Autoren Hinweise darauf, dass Cernilton manche, aber nicht alle Beschwerden beim Harnlassen verbessern könnte. Da die Arbeit veraltet ist und nie aktualisiert worden war, wurde sie mittlerweile zurückgezogen.

[aktualisiert und ergänzt am 1.3.2015 um Details zu Sägepalm-Extrakte, Beta-Sitosterin, Extrakte des Afrikanischen Pflaumenbaums sowie Weidelgras-Pollenextrakt]

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration

Fragestellung: Wirken Sägepalmen-Präparate bei gutartiger

Eingeschlossene Studien: 32 randomisiert-kontrollierte Studien

Studienteilnehmer: 5.666 Männer

Mögliche Interessenskonflikte: keine

Tacklind J, MacDonald R, Rutks I, Stanke JU, Wilt TJ. Serenoa repens for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 12. Art. No.: CD001423. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration

Eingeschlossene Studien: 4 randomisiert-kontrollierte Studien

Studienteilnehmer: 519 Männer

Fragestellung: Wirken Beta-Sitosterine aus Pflanzen bei gutartiger Prostatavergrößerung?

Mögliche Interessenskonflikte: keine

Wilt TJ, Ishani A, MacDonald R, Stark G, Mulrow CD, Lau J. Beta-sitosterols for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database of Systematic Reviews 1999, Issue 3. Art. No.: CD001043. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Studientyp: systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration

Fragestellung: Wirken Produkte des afrikanischen Pflaumenbaums bei gutartiger Prostatavergrößerung?

Eingeschlossene Studien: 18 RCTs

Studienteilnehmer: 1562 Männer

Mögliche Interessenskonflikte: keine

Wilt TJ, Ishani A. Pygeum africanum for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database of Systematic Reviews 1998, Issue 1. Art. No.: CD001044. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Fragestellung: Was wissen wir (nicht) über die Wirksamkeit und Sicherheit von Phytotherapie bei benigner Prostatahyperplasie?

Mögliche Interessenskonflikte: keine laut Autorenangaben

Allkanjari O, Vitalone A. What do we know about phytotherapy of benign prostatic hyperplasia? Life Sci. 2015 Apr 1;126:42-56. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Studientyp: systematische Übersichtsarbeit

Fragestellung: Wirkt Lycopin bei Prostatavergrößerung und Prostatakrebs?

Eingeschlossene Studien: 2 RCTs (Prostatavergrößerung)

Mögliche Interessenskonflikte: keine laut Autorenangaben

Ilic D, Misso M. Lycopene for the prevention and treatment of benign prostatic hyperplasia and prostate cancer: a systematic review. Maturitas. 2012 Aug;72(4):269-76. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Studientyp: nicht-systematische Übersichtsarbeit

Mögliche Interessenskonflikte: keine für den korrespondierenden Autor

Wehrberger C, Dreikorn K, Schmitz-Dräger BJ, Oelke M, Madersbacher S. [Phytotherapy of benign prostate syndrome and prostate cancer: better than placebo]. Urologe A. 2012 Dec;51(12):1674-82. (Zusammenfassung der Arbeit)

Studienart: Übersicht über systematische Übersichtsarbeiten

Eingeschlossene Übersichtsarbeiten: 6 Systematische Übersichtsarbeiten zu 195 Einzelstudien

Fragestellung: Wirken Nahrungsergänzungsmittel bei gutartiger Prostatavergrößerung?

Mögliche Interessenskonflikte: keine laut Autoren

Kim TH, Lim HJ, Kim MS, Lee MS. Dietary supplements for benign prostatic hyperplasia: an overview of systematic reviews. Maturitas. 2012 Nov;73(3):180-5. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere wissenschaftliche Quellen

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2014). Gutartige Prostatavergrößerung. Abgerufen am 12.3.2015 unter https://www.gesundheitsinformation.de/gutartige-prostatavergroesserung.2073.de.html

Cunningham GR, Kadmon D (2015). Medical treatment of benign prostatic hyperplasia. In Park L (ed.). UpToDate. Aberufen am 12.3.2015 unter http://www.uptodate.com/contents/medical-treatment-of-benign-prostatic-hyperplasia

Cunningham GR, Kadmon D (2015). Patient information: Benign prostatic hyperplasia (BPH) (Beyond the Basics). In Park L (ed.). UpToDate. Aberufen am 12.3.2015 unter http://www.uptodate.com/contents/benign-prostatic-hyperplasia-bph-beyond-the-basics

Wilt T, MacDonald R, Ishani A, Rutks I, Stark G. Cernilton for benign prostatic hyperplasia. Cochrane Database of Systematic Reviews 1998, Issue 3. Art. No.: CD001042. (Zusammenfassung der zurückgezogenen Übersichtsarbeit)

Prostatavergrößerung

Statistiken zeigen, dass in den westlichen Industrienationen 60-80% der Männer über dem 50. Lebensjahr an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (auch Vorsteherdrüse genannt) erkranken. Typische Symptome der Erkrankung sind die zunehmende Abschwächung des Harnstrahls, die unvollständige Blasenentleerung, aber auch Reizbeschwerden, wie plötzlicher Harndrang, häufiges Wasserlassen am Tage und vor allem in der Nacht.

Ernährungstipps zur Vorbeugung der gutartigen

Männerkrankheiten

Prostata-Medikamente mit ernsthaften Nebenwirkungen

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 23.08.2017

Bei einer gutartigen Prostatavergrösserung werden häufig Medikamente mit den Wirkstoffen Dutasterid (Avodart) oder Finasterid (z. B. Proscar) verschrieben. Untersuchungen haben ergeben, dass Avodart nicht nur Erektionsstörungen verschlimmern, sondern auch das Risiko für Diabetes, hohe Cholesterinwerte und eine Fettleber erhöhen kann. Auch Finasterid stellt aus ähnlichen Gründen keine Alternative dar. Bei Prostatabeschwerden sollte man daher abwägen, ob das Mittel erforderlich ist oder ob man nicht zunächst natürliche Massnahmen testen möchte.

Medikamente bei Prostatabeschwerden

Mit zunehmendem Alter leiden Männer immer häufiger unter einer Prostatavergrösserung. Bei der sog. benignen Prostatahyperplasie (BPH) handelt es sich – im Gegensatz zu einer Prostatavergrösserung durch Prostatakrebs – um eine gutartige Form der Prostatavergrösserung. Dennoch sind die Beschwerden, die eine BPH auslöst, alles andere als angenehm: Es kommt zu Problemen beim Wasserlassen. Einerseits verspürt man häufiger einen starken Harndrang (auch nachts), andererseits hat man das Gefühl, dass sich die Blase nie vollständig leert. Man spricht vom sog. Restharngefühl.

Es ist die vergrösserte Prostata, die die Harnröhre einengt und so das Urinieren erschwert. Meist werden Alphablocker, wie z. B. Tamsulosin verschrieben, das zu einer Entspannung der Prostatamuskulatur und infolgedessen zu einer Erweiterung der Harnröhre führt. Oft werden jedoch auch 5-Alpha-Reduktasehemmer empfohlen (nicht selten auch in Kombination mit den Alphablockern). Zu dieser Medikamentengruppe zählen Proscar (Finasterid) und Avodart (Dutasterid). Sie reduzieren langfristig das Volumen der vergrösserten Prostata und bessern auf diese Weise ebenfalls die Beschwerden.

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Prostata-Medikamente nur nach ausführlicher Beratung einnehmen!

Forscher der Boston University schrieben im Juni 2017 im Journal Hormones Molecular Biology and Clinical Investigations, dass Ärzte jedoch nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Patienten Dutasterid verschreiben sollten. Dem Patienten sollten die Nebenwirkungen des Mittels, das bei gutartiger Prostatavergrösserung verordnet wird, ausführlich dargelegt werden, so dass er selbst entscheiden kann, ob er das Risiko eingehen will oder nicht vielleicht eher eine andere Therapie ausprobieren möchte. Die Bostoner Wissenschaftler begründeten ihre Warnung mit den neu gewonnenen Erkenntnissen aus ihrer aktuellsten Studie mit BPH-Patienten.

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe hatte Avodart verschrieben bekommen, die andere Tamsulosin (ein Alphablocker). Beide Gruppen wurden bis zu 3,5 Jahre lang medizinisch beobachtet. Regelmässig wurden ihre Blutzuckerspiegel (inklusive des Langzeitzucker-Wertes HbA1c), ihre Cholesterinwerte und auch ihre Leberfunktionswerte überprüft. Gleichzeitig wurden Details zum Befinden der Teilnehmer notiert, z. B. zu ihrer sexuellen Aktivität, ihrer Erektionsfähigkeit und allgemein zu ihrer Lebensqualität. Dann wurden die Ergebnisse der beiden Gruppen miteinander verglichen.

Prostata-Medikamente beeinträchtigen Stoffwechsel, Libido und Erektionsfähigkeit

Es zeigte sich, dass sich Avodart – im Gegensatz zum Alphablocker – besonders auf den Stoffwechsel und das Sexualleben der betreffenden Männer negativ auswirkte.

Wir gehen davon aus, dass Avodart einen negativen Einfluss auf die Gesamtgesundheit des Mannes hat. Es erhöht den Blutzuckerspiegel und genauso die Blutfettwerte. Die ungünstige Wirkung auf den Blutzuckerspiegel macht den Betroffenen anfällig für Diabetes Typ 2, und der schlechte Einfluss auf die Blutfettwerte begünstigt die Entstehung einer Fettleber. Entscheidend ist jedoch, dass dieses Mittel die Sexualfunktionen verschlechtert und damit auch die Lebensqualität des jeweiligen Mannes“, erklärt Studienautor Dr. Abdulmaged M. Traish, Professor für Biochemie und Urologie an der Boston University School of Medicine (BUSM).

Dr. Traish und Kollegen gaben an, dass die genannten Nebenwirkungen von Avodart vor einigen Jahren – als das Mittel auf den Markt kam – noch nicht derart offensichtlich waren. Ärzte sollten daher – wie eingangs erklärt – das Medikament nur verschreiben, wenn der Patient nach entsprechender Aufklärung über die Nebenwirkungen der Verordnung zustimmt.

Finasterid ist keine Alternative

Leider ist Finasterid nicht wirklich eine Alternative. Die Nebenwirkungen dieses Medikaments sind schon lange bekannt. Wir haben darüber bereits hier berichtet: Finasterid hat Nebenwirkungen. Besonders tragisch ist, dass Finasterid auch von jungen Männern eingenommen wird, nicht weil sie an einem Prostataproblem leiden würden, sondern weil das Mittel auch bei erblich bedingtem Haarausfall zu neuem Haarwuchs verhelfen soll.

Hier muss sich der Betroffene fragen, ob er für ein etwas fülligeres Kopfhaar tatsächlich seine Potenz und Erektionsfähigkeit aufs Spiel setzen will. Denn Finasterid muss dauerhaft eingenommen werden, wenn man eine Wirkung erzielen möchte – sowohl bei der gutartigen Prostatavergrösserung als auch bei Haarausfall.

Sollte man dann bemerken, dass man zu jenen Männern gehört, bei denen sich die beschriebenen Nebenwirkungen zeigen, dann setzt man Finasterid natürlich ab. Die Gefahr besteht nun aber, dass die Erektionsstörungen trotz Absetzen des Medikaments noch viele Monate, wenn nicht gar Jahre oder sogar dauerhaft bestehen bleiben.

Es ist also nicht korrekt, was man einst vermutet und den Patienten beruhigend gesagt hatte, nämlich dass die von Finasterid verursachten Sexualstörungen lediglich in den ersten sechs Monaten der Einnahme auftreten und dann – trotz weiterer Einnahme des Medikaments – wieder verschwinden würden.

Jeder vierte Finasterid-Anwender von Libidoverlust oder Erektionsstörungen betroffen

Der Libidoverlust betrifft bei Finasterideinnahme 10 Prozent der Patienten. Erektionsstörungen hingegen treten bei 18 Prozent der Finasteridkonsumenten auf. Das heisst, 28 Prozent, also jeder vierte Patient, der Finasterid einnimmt, ist von diesen schwerwiegenden Nebenwirkungen betroffen.

Schon im Jahr 2015 gab Professor Traish an, dass auch die einstige Vermutung, Finasterid & Co. könnten zur Vorbeugung von Prostatakrebs dienen, höchstwahrscheinlich nicht zutreffe. Traish und Kollegen stellten hingegen mögliche weitere Risiken des Mittels fest. Ähnlich wie Dutasterid soll es die Entstehung einer Insulinresistenz begünstigen, ausserdem Typ-2-Diabetes, Gefässerkrankungen und Osteoporose. Selbst psychische Folgen vermutet man, da es verschiedene Fallserien gibt, in denen sich bei Finasteridpatienten plötzlich Depressionen und Angstzustände zeigten.