Chronische prostatitis nih

Chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom

  • S. Marx Email author
  • U. Cimniak
  • R. Beckert
  • F. Schwerla
  • K.L. Resch

Zusammenfassung

Hintergrund

Bei Männern unter 50 Jahren ist die Prostatitis das am häufigsten vorkommende urologische Krankheitsbild. Bakterien werden aber nur in <5% der Fälle gefunden, es handelt sich vorwiegend um die chronische abakterielle Prostatitis. Das Beschwerdebild dieses häufig als CP-CPPS (chronisches Beckenschmerzsyndrom) bezeichneten Problemkomplexes scheint multifaktorell zu sein, so dass mit herkömmlichen Therapien nur selten eine Verbesserung erzielt werden kann.

Material und Methode

Das Ziel dieser Studie bestand darin zu untersuchen, ob eine osteopathische Behandlung die Symptome einer CP-CPPS beeinflussen kann. Es handelt sich um eine randomisierte kontrollierte Studie von 5 Behandlungen, Follow-up nach 6 Wochen ohne Behandlung und 1,5 Jahre später. Die Studie wurde in einer osteopathischen Praxis durchgeführt. Die Patientenrekrutierung erfolgte durch Überweisung von Urologen, über Zeitungsartikel und Vorträge zu diesem Thema. Insgesamt nahmen 35 Männer mit ärztlich diagnostiziertem CP-CPPS im Alter von 29–70 Jahren an der Studie teil. 20 Patienten wurden in die Behandlungsgruppe randomisiert, 15 Patienten erhielten eine Shambehandlung. 2 Patienten mussten vorzeitig aus der Studie ausscheiden. Die Behandlungsgruppe erhielt 5 osteopathische Behandlungen im Abstand von 1 Woche am Anfang bis zu 3 Wochen am Ende (Gesamtdauer 8 Wochen). Die vorgefundenen osteopathischen Dysfunktionen wurden entsprechend den Prinzipien der Osteopathie behandelt. Die Shambehandlung der Kontrollgruppe bestand aus einem Übungsprogramm, einer Mischung aus simplen gymnastischen und krankengymnastischen Übungen. Die Zielparameter waren: Verbesserung der Beschwerden beim Wasserlassen (LUTS), der chronischen Beckenschmerzen (CPPS) und der Lebensqualität (QOL). Messinstrumente dazu waren die Fragebögen IPSS (Internationaler Prostata-Symptomenscore), NIH-CPSI (National Index of Health/chronische Prostatitissymptomenindex) und der QOL (Lebensqualitätsindex).

Ergebnisse

Im Vergleich Osteopathie-/Shamgruppe ergaben sich bei allen Parametern statistisch signifikante Unterschiede zu Gunsten der Osteopathiegruppe (p<0,0005). Im zeitlichen Verlauf verbesserte sich in der Osteopathiegruppe der IPSS im Mittelwert von 19,7 auf 10,3 Punkte (48%; p<0,0005), der NIH von 26,0 auf 12,0 (54%; p<0,0005) sowie die Lebensqualität QOL von 4,4 auf 1,9 Punkte (58%; p<0,0005). Im Gegensatz dazu blieben die Werte der Shamgruppe weitgehend konstant. Beim Follow-up 6 Wochen nach der letzten Behandlung zeigte sich, dass die Verbesserungen in der osteopathisch behandelten Gruppe stabil waren. Die Verbesserungen hielten mindestens bis zum 2. Follow-up 1,5 Jahre nach Behandlungsende an.

Schlussfolgerung

Aufgrund dieser positiven Ergebnisse kann die osteopathische Behandlung als ernsthafte Option zu den bisherigen Therapien bei CP-CPPS gesehen werden. Dabei wäre auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Urologen/Internisten und Osteopathen wünschenswert. Weitere Studien mit größeren Fallzahlen sollten folgen, um diese Ergebnisse zu erhärten.

Was ist die Prostata?

Die Prostata ist eine Drüse mit Ausführungsgängen, die in die Harnröhre münden. Sie produziert ein Sekret, das bei der Ejakulation in die Harnröhre abgegeben wird und sich dort mit den Spermien vermischt. Das Prostatasekret macht etwa 30 % des Ejakulates aus. Da in der Vagina zum Schutz vor Infektionen ein saures Milieu herrscht, erhöht das Prostatasekret mit seinem alkalischeren pH-Wert von 6,4 die Überlebenschancen der Spermien. Außerdem unterstützt das Prostatasekret die Beweglichkeit der Spermien. Bei der Ejakulation kommt es zu rhythmischen Kontraktionen der Prostata. Dies trägt einen wesentlichen Teil zur Orgasmusempfindung bei. Durch eine Zusammenziehung des Blasenhalses verhindert sie auch den Rückstoß des Ejakulats in die Blase. In den Epithelzellen der Prostata wird das prostataspezifische Antigen (PSA) gebildet . Dieses Enzym macht das Ejakulat dünnflüssiger. Das PSA ist ein wichtiger Blutwert, um Prostataerkrankungen, insbesondere den Prostatakrebs, einzustufen.

Prostataerkrankungen

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die zu einer Harnabfluss-Störung führen kann. Prostatakrebs (Prostatakarzinom) nennt man einen bösartigen Tumor der Prostata. Die BPH betrifft die zentrale Zone der Prostata um die Harnröhre herum. Das Prostatakarzinom geht meist von den äußeren Drüsenanteilen aus. Beide Erkrankungen treten typischerweise im höheren Lebensalter auf. Als Prostatitis bezeichnet man eine Entzündung der Prostata.

Benigne Prostatahyperplasie

Synonyme: Prostataadenom, gutartige Prostatavergrößertung

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist die häufigste Erkrankung des Mannes jenseits der Lebensmitte. Bei der BPH vermehrt sich das Drüsen- und Bindegewebe der Prostata. Dadurch kann die Harnröhre eingeengt werden. Im Anfangsstadium stehen die Reiz-Beschwerden im Vordergrund mit gehäuftem Wasserlassen, vermehrtem Harndrang, Nachträufeln und nächtlichemToilettengang. Im weiteren Verlauf kommt es zur Abschwächung des Harnstrahls und zur unvollständigen Blasenentleerungen. Im fortgeschrittenen, nicht behandelten Stadium der BPH kann daraus ein Harnaufstau bis in die Nieren zurück entstehen, was unbehandelt zu einem Nierenversagen führen kann. Diese Komplikation ist heutzutage sehr selten. Bei der Diagnose der BPH kann der IPSS-Fragebogen helfen.

Zur Prävention ist es wichtig, auf eine gesunde Lebensweise zu achten mit ausreichend Bewegung und gesunder Ernährung.

Die Therapie im Anfangsstadium erfolgt medikamentös in Form von Tabletten. Welches Präparat bzw. welchen Wirkstoff man auswählt richtet sich nach den Beschwerden und den Untersuchungsergebnissen beim Urologen. Pflanzenpräparate (ProstaFink®, Prosta-gutt®, Azuprostat®. ) werden vor allem bei irritativen Reiz-Beschwerden eingesetzt. Alphablocker (Tamsulosin, Alfuzosin, Doxazosin) und Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (Tadalafil) entspannen die Muskulatur der Blase und der Prostata. 5α-Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid) verkleinern die Prostata und Antimuskarinergika (Trospium, Solifenacin. ) beruhigen die Blasenaktivität.

Eine Operation der Prostata wird empfohlen, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist oder die medikamentöse Behandlungen keine ausreichende Wirkung zeigt. Es gibt zahlreiche Operationsverfahren zur Behandlung der BPH: Die konventionelle Ausschabung (Resektion) der Prostata mit einer Elektroschlinge (TUR-P), die Laserevaporisation, bei der das Prostatagewebe verdampft wird (TUL-P), die Laserenukleation, bei der die Prostata mittels Laser ausgeschält wird (HoLEP, ThuLEP) oder die offene Prostataenukleation, bei der die Prostata nach einem Bauchschnitt aus der Kapsel herausgeschält und entfernt wird. Darüber hinaus gibt es weitere alternative Operationsmethoden, die sich jedoch noch nicht standardmäßig etabliert haben. Jedes operative Verfahren hat unterschiedliche Risiken sowie verfahrensindividuelle Vor- und Nachteile. Ihr Urologe kann sie bei der Behandlung der BPH beraten.

Prostatakrebs

Prostatakrebs nennt man einen bösartigen Tumor der Prostata. Er ist der häufigste bösartiger Tumor und nach Lungen- und Dickdarmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern in Deutschland.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass eine gesunde Ernährung das Risiko senkt an Prostatakrebs zu erkranken. Weitere Informationen finden sie hier.

Die wichtigste Maßnahme der Früherkennung ist die jährliche Krebsvorsorge beim Urologen. Der PSA-Test und der transrektale Prostata-Ultraschall erhöhen die Sicherheit, einen Prostatakrebs auszuschließen beziehungsweise früh zu erkennen. Wenn bei der Untersuchung die Prostata auffällig erscheint oder der PSA-Wert erhöht ist, sollte eine Gewebeentnahme aus der Prostata (Prostatastanzbiopsie) erfolgen, um zu einer Diagnose zu gelangen.

Ist ein Prostatakarzinom festgestellt worden, gibt es verschiede Behandlungsmethoden: Die operative Entfernung der gesamten Prostata (radikale Prostatektomie), eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie oder eine Hormonentzugstherapie. Welche Behandlung empfohlen wird, richtet sich nach dem Gesundheitszustand des Patienten, der Ausdehnung des Tumors und dem feingeweblichen Untersuchungsbefund. Bei einem langsam wachsenden Prostatakarzinom kann man auch abwarten, wie sich der Tumor entwickelt, bevor man eine Therapie einleitet.

Prostatitis

Die Prostatitis ist eine Entzündung der Vorsteherdrüse. Es gibt unterschiedliche Arten der Prostatitis. Die Klassifikation der Krankheit und die Wahl der Behandlung richtet sich nach der Dauer der Beschwerden und danach, ob ein Keim nachweisbar ist.

Akute Prostatitis

Bei der akuten Prostatitis treten Schüttelfrost, Fieber, Bauch- und Dammschmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen auf. Die Bakterien, welche eine akute Prostatitis verursachen, können im Urin nachgewiesen werden. Die akute Prostatitis wird mit Antibiotika behandelt.

Chronische Prostatitis

Eine chronische Prostatitis liegt vor, wenn die Beschwerden länger als 3 Monate bestehen und mehrfach Keime im Urin oder im Prostatasekret nachgewiesen werden.

Die Symptome der chronischen Prostatitis sind vielfältig. Folgende Beschwerden können einzeln oder in Kombination vorliegen: Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Restharngefühl, Schmerzen im Bereich des Unterbauchs, des Penis, der Hoden, des Damms, der Leisten sowie in der Lendengegend und auch Schmerzen während und insbesondere nach der Ejakulation.

Die chronischen Prostatitis kann durch verschieden Ursachen hervorgerufen werden. Eine chronisch bakterielle Infektion, ein Rückfluss von Urin in das Prostatagewebe, ein gestörter Harnabfluss aus der Blase, Muskel- oder Sehnenverspannungen im Becken und psychosomatische Erkrankungen können Gründe dafür sein. Bei der Diagnosestellung der chronischen Prostatitis kann der NIH-CPSI-Fragebogen helfen.

Die Chronische Prostatitis wird mit einer Antibiotikatherapie über 4-6 Wochen behandelt.

Chronisches pelvines Schmerzsyndrom, englisch: chronic pelvic pain syndrome (CPPS)

Synonym: Prostatodynie, psychovegetatives Urogenitalsyndrom, Prostatopathie

Das CPPS ist charakterisiert durch ein über 3 Monate bestehendes Beckenschmerzsyndrom ; ein Keimnachweis mit mikrobiologischen Standardmethoden gelingt hier nicht.

Die Ursache der Erkrankung ist nicht eindeutig geklärt. Die Beschwerden gleichen denen der chronischen Prostatitis. Eine chronische Prostatits kann dem chronischen Beckenschmerzsyndrom vorrausgegangen sein.

Die Prostata wird durch das vegetative Nervensystem versorgt und kann deshalb – genau wie andere Organe auch – durch körperlichen oder seelischen Stress beeinflusst werden. Bewegungsmangel, langes Sitzen und Verstopfung durch ballaststoffarme Ernährung können zu einer Einengung im Beckenbereich führen und dadurch die Prostata beeinträchtigen. Stressreduktion, Entspannung, eine gesunde Ernährung und Sport können die Beschwerden lindern. Regelmäßige Ejakulationen beim Geschlechtsverkehr oder durch Masturbation können ebenfalls helfen, die Prostata zu entlasten.

Die Therapie des CPPS beginnt mit einer Langzeitantibiotikatherapie über 4–6 Wochen. Trotz des fehlenden Nachweises für eine bakterielle Infektion zeigten Studien im frühen Krankheitsstadium dadurch gute Heilungschancen. Wenn keine Besserung eintritt können spezifische Prostatamedikamente wie Alpha-Blocker oder 5α-Reduktasehemmer eingesetzt werden. Auch pflanzliche Medikamente und Spurenelemente (Quercetin, Pollenextrakt, Zink) können helfen.

Zur Entspannung der Muskeln und Nerven im Becken haben sich folgende Behandlungsmethoden bewährt: leichter Ausdauersport, Akupunktur, Biofeedback-Entspannungstherapie, elektromagnetische Therapie des Beckenbodens, myofasziale Triggerpunkttherapie und Mikrowellen-Wärmetherapie. Ebenfalls empfohlen werden (Prostata-)Massage, Dehnübungen, Yoga und Hypnose. Eine operative Therapie wie die der Prostataauschabung (TUR-P) oder Injektionen in die Prostata mit Botox, Antibiotika oder Schmerzmitteln kann in ausgewählten Fällen zur Besserung führen.

Prostatitis

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Unter Prostatitis versteht man einen Symptomenkomplex bei Patienten mit Beschwerden im Becken (Tab. 346). Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Abgrenzung infektiöser, entzündlicher sowie nichtentzündlicher Formen wurde eine neue, symptomorientierte Klassifikation eingeführt (Tab. 347).

akute bakterielle Prostatitis

akute Infektion der Prostata

chronische bakterielle Prostatitis

rezidivierende Infektion der Prostata

chronische Prostatitis/„chronisches Schmerzsyndrom des Beckens“

keine nachweisbare Infektion, aber Symptomatik

entzündliches chronisches Schmerzsyndrom des Beckens

Leukozyten in Ejakulat, Prostatasekret oder Urin nach Prostatamassage

nichtentzündliches chronisches Schmerzsyndrom des Beckens

keine Leukozyten in Ejakulat, Prostatasekret oder Urin nach Prostatamassage